Thomas Ravens: Your New Quarters
Bilder der Architektur / Images of Architecture #1


In dem Spielfilm „James Bond 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969) – bekanntlich dem einzigen Film aus der Reihe mit George Lazenby in der Hauptrolle – lädt der diesmal von Telly Savalas dargestellte Bösewicht Ernst Stavro Blofeld seinen Überraschungsgast – Bond – ein, über Nacht zu bleiben: „Come, let me show you to your new quarters!“

Die Szene spielt im „Piz Gloria“, dem als Drehgebäude entworfenen (für den Film in ein Luxusapartment umgebauten) Panoramarestaurant auf dem Schilthorn bei Mürren im Berner Oberland, erbaut in den 1960er Jahren. Ein neues Quartier seiner Zeit. Jeder, der James Bond-Filme kennt, jeder, der Filme kennt, weiß, dass wenn ein Satz wie „Come, let me show you to your new quarters!“ gesprochen wird, darauf für den, der gemeint ist, nichts Gutes folgt.

Unter dem Titel „Your New Quarters“ zeigt der in Berlin lebende Künstler Thomas Ravens (* 1964) einige seiner Architektur-wie-wir-sie-kannten verabschiedenden Bilder bei "B-Part Exhibition". Er eröffnet damit gleichzeitig die neue Ausstellungsreihe „Bilder der Architektur / Images of Architecture“ von „B-Part Exhibition“.

Die „New Quarters“ in Ravens' Bildern (gleichzeitig auch Titel eines seiner Bilder von 2012) haben mit der Architektur des „Piz Gloria“ (vielmehr: dem Bild dieses Gebäudes, das man aus dem Bond-Film kennt und das darin noch spektakulär explodieren wird) einiges gemeinsam. So scheinen sie teils ebenso futuristisch und visionär, sind dies jedoch nur im Sinn eines uneinholbar historischen Echos aus der Moderne, die in den fast immersiv wirkenden Bildern längst von einem Konzept wie „Anthropozän“ überrollt wurde. Man ahnt, auch die von Ravens abgebildete Architektur wird zerstört werden, eher aber durch Cthulhu oder durch die Singularität als durch einen Sprengsatz. Es war ein kurzer Weg von Piz Gloria zu Pruitt-Igoe; der in Ravens' Bildern begangene Weg hingegen wird unendlich sein, er liegt hinter der Zeit. Vielleicht existiert die zu sehende Architektur auch schon gar nicht mehr oder befindet sich in einem dauerhaft eingefrorenen Zustand der Zerstörung oder zumindest in irgendeiner anderen Subraumanomalie.

Das, was „Come, let me show you to your new quarters!“ zu einem absolutes Unheil ankündigenden Satz macht, ist dabei nicht so sehr die Aussicht auf das Quartier, die Unterkunft selbst, sondern der unsichtbare Part des Satzes: Der, der ihn spricht, das "I", das das „You“ benennt. Das „I“ weiß alles, es hat die Macht als Architekt, Planer, Zerstörer, Dämon, Rattenfänger, Seher – und als Maler. Das Ich könnte Unheil verhindern, stachelt dessen Dramatisierung aber noch an: „Dystopie mit Schlechtwetter“, so der Titel eines Bildes von Ravens. Armageddon, was willst du mehr? Show me my new quarters!

Martin Conrads

 

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