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Hans Sedlmayer, Die Entstehung der Kathedrale, 1950, S.54

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Die selbstleuchtenden Wände


Denn das Licht, das die Kathedrale erhellt, scheint überhaupt nicht von außen zu kommen. Wenn man den Eindruck ganz unbefangen beschreibt, muß man sagen: das Licht geht von den Wänden selbst aus, die Wände leuchten.
Der Eindruck rührt davon her, daß die Glasscheiben zwar lichtdurchlässig, aber durch ihre starke Färbung undurchsichtig sind. Der Eindruck ist zwingend bei diffusem Außenlicht und besonders bei Dämmerung. Dann kann nicht einmal das Wissen darum, daß das Licht von außen kommt, das Erlebnis der geheinmnisvoll selbstleuchtenden Wände ändern. Es hat dann auch gar keinen Sinn mehr, von Fenstern zu sprechen. Aber auch ein Sonnen - oder Mondstrahl, der durch dieses farbige Medium geht, scheint nicht von außen zu kommen, sondern von einem aufglühenden Teil der Wand ausgesendet zu werden, wie von einer selbstleuchtenden, strahlenden Materie. Dabei ändert sich bei verschiedenem Außenlicht die Leuchtfähigkeit der Wand: sie verdunkelt sich und glänzt wieder auf, wenn eine Wolke draußen vorüber zieht oder die Tageszeit sich ändert.


 

Diaphane Wand I_edited.jpg
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