Empire, Michael Hardt/ AntonioNegri, 2003 Frankfurt, S.306

S.202

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Der gekerbte Raum der Moderne schuf Orte, die beständig in einem dialektischen Spiel mit ihrem Außen standen und auf diesem Spiel gründeten. Der Raum imperialer Souveränität ist im Gegensatz dazu glatt. Er scheint frei zu sein von den binären Aufteilungen oder Kerben moderner Grenzen, doch in Wahrheit ist er kreuz und quer von so vielen Verwerfungen durchzogen, dass er lediglich als kontinuierlicher, einheitlicher Raum erscheint. In diesem Sinne weicht die eindeutig bestimme Krise der Moderne einer Omni-Krise in der imperialen Welt. In diesem glatten Raum des Empire gibt es keinen Ort der Macht - sie ist zugleich überall und nirgends. Das Empire ist ein ou-topia, oder genauer: ein Nicht-Ort.

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Im Übergang zur Informationsökonomie hat das Netzwerk als Organisationsmodelll der Produktion das Montageband ersetzt; es verändert die Formen der Kooperation und der Kommunikation innerhalb jeder Fertigungsstätte und zwischen verschiedenen Fertigungsstätten

 

S.308

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Die Dezentralisierung und globale Diffusion von Produktionsprozessen und -standorten, die die Postmodernisierung oder Informatisierung der Ökonomie kennzeichnen, sind von einer Zentralisierung der Kontolle über die Produktion begleitet. Die Zentrifugale Bewegung der Produktion gleicht ein zentripetaler Trend des Kommandos aus. Auf lokaler Ebene erlauben Computernetzwerke und in die Produktionsabläufe integrierte Kommunikationstechnologien eine extensive Überwachung der Arbeiter von einem zentralen und entfernt gelegenen Ort aus. Die Kontrolle der Arbeitstätigkeiten kann im virtuellen panoptischen System der Netzwerkproduktion potenziell individualisiert und kontinuierlich werden. Die Zentralsiserung der Kontrolle ist noch deutlicher aus globaler Perspektive. Die geografische Diffusion der Fertigung schafft das Bedürfnis nach zunehmend zentralisierter Leitung und Planung und zugleich nach einer neuerlichen Zentralisierung spezialisierter Firmendienstleistungen, insbesondere Finanzdienstleistungen. Finanz-und Handelsdienstleistungen in wenigen Schlüsselstädten (wie New York, London oder Tokio) leiten und steuern die globalen Produktionsnetzwerke. Eine massive demografische Verschiebung findet statt, der Niedergang und die Entvölkerung der Industriestädte entspricht so dem Aufstieg der global cities, genauer: der Kontrollstädte.

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