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In den späten vierziger Jahren begann Philips Koninck, ein begabter und recht eigenwilliger Landschaftsmaler, Panoramen zu malen, wobei er seine Leinwände horizontal in gleich große Erd-und Himmelsbereiche einteilte. Koninck hatte die Schwester eines von Rembrandts Schülern, Abraham Furneris geheiratet, und obwohl er selbst niemals Schüler bei Rembrandt war, fand er an dessen Radierungen wie  Das Feld des Goldwägers  großen Gefallen, auf denen man eine weite Strecke Land überblickte, die mit Streifen von Licht und Schatten überzogen waren. Da Philip Koninck für Eindrücke empfänglich und eigensinnig war, begann auch er so zu malen und behielt dies ein Jahrzehnt lang bei, wobei fast alle seine Panoramen so zusammengesetzt waren, als als hätte er schmale Bänder aus dunklen und hellen Zonen über die Leinwand gelegt. Damit hatte er großen Erfolg, zumindest so viel, dass er eine Schiffslinie kaufen und betreiben konnte, die zwischen Amsterdam und Rotterdam wie Leiden hin und her fuhr, sein Unternehmen konnte also sozusagen durch seine Landschaften fahren. Die Landschaftsansichten, die auf Konincks Gemälden zu sehen waren , meist von schmalen, parallel verlaufenden Wasserfeldern durchzogen, wirkten irgendwie vertraut und zugleich fantastische, provinziell und grandios, und das entsprach genau dem, was das holländische Patriziertum in der Mitte des Jahrhunderts gern über sein vaderland dachte. 1657 verheiratete sich Koninck zum zweiten Mal, und der Name seiner Frau lautete Margaretha van Rijn.

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Simon Schama, Rembrandts Augen, 1999

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