top of page

In Brüssel stellt LeCorbusier die Entwürfe seiner "Ville Radieuse" vor, die die in den Kongreßen diskutierte Thematik zusammenfassen, doch besser noch charakterisiert ein Satz von Giedion die angestrebten Ziele: "Wie die einzelne Wohnzelle zur Organisation der Baumethoden führt, so führen die Baumethoden zu Organisation der ganzen Stadt."  Das "Modell" des CIAM spiegelt alle Grenzen der radikalen architektonischen Kultur wider; in der geforderten Kontinuität zwischen Serienproduktion und Städtebau kommt eine utopische Vorstellung zum Ausdruck: Das System Planung-Produktion, das im kleinen für das Wohnhaus gilt, wird mechanistisch auf die urbanistische Ebene ausgedehnt. Der politische Vorschlag des CIAM  reduziert die Rolle des Architekten auf die des Organisators eines Produktionszyklus, setzt jedoch voraus, daß die neu ausgearbeiteten Modelle schon an sich eine absolute Kontrolle über alle alle Funktionen sichern, die die urbane Entwicklung bestimmen.Verfolgt man die Diskussion des CIAM, so scheint fast, als ob man die Natur der Stadt mit jener des Baubestands identifiziere: Ist erst die Kontrolle über die Entstehungs und Produktionsarten dieses Baubestandes gesichert, besitzt man auch den Schlüssel, um dessen Entwicklung zu planen. Die Inkongruenz dieser Auffassung liegt in den bei der Bestimmung der Wohnbautypologie angewandten Maßstäben.
Das Existenzminimum, die preisgünstige Wohnzelle - nicht das Produkt eines komplexen Zusammenspiels sozialer Verhältnisse und wirtschaftlicher Faktoren, ein von allen die Stadt regelnden Funktionen und Mechanismen bestimmter "Wert", sondern ein reiner Rationalisierungsakt - , ist das urbanistische Prinzio des CIAM.

Manfredo Tafuri/Francesco Dal Co, Gegenwart, Weltgechichte der Architektur, DVA 1988
S.5

 

  • Grey Facebook Icon
  • Grey Instagram Icon
  • Grey Vimeo Icon
bottom of page